Winner MINIYAMBA – WALKING BLUES

1st Prize: 2500 €

Director: Luc Perez, France / Denmark, 14:30 min

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Jurybegründung

Miniyamba – Walking Blues ist eine beeindruckende Animation, die durch ihre Bildsprache, die Musik und die Art der Narration sehr überzeugt. In diesem Film steckt ein immenser Arbeitsaufwand: Luc Perez verwendet reales Footage, das lediglich zum Teil für den Animationsfilm verwendet wird. Durch die Technik der Rotoskopie wird das Dokumentarmaterial verfremdet. Dabei werden die Filmszenen Einzelbild für Einzelbild von hinten so auf eine Mattglasscheibe projiziert, dass der Animator sie abzeichnen kann (wie beim Durchpausen). Ein Verfahren, das sich exzellent für die Narration Miniyamba‘s eignet und zudem die Anonymität der gefilmten Menschen gewährleistet. Kohle, Pastell und Sandanimation werden als Animationstechniken verwendet und im Compositing zu einem stimmigen Gesamtbild zusammengeführt. Dem Ergebnis merkt man die zwei Jahre Arbeit nicht an. Fein wie Spinnweben entwickelt sich stattdessen diese tieftraurige und bezaubernde Geschichte.

 

In Miniyamba – Walking Blues findet eine Perspektivenverschiebung statt. Die Festung Europa verschwimmt angesichts der afrikanischen Exoduserfahrung. Die Menschen befinden sich auf einer Wanderung durch Afrika, stranden an verschiedenen Punkten. Sie bewegen sich weiter, permanenter Gefahr ausgesetzt, und manche kommen durch.

 

Das Überleben wird vom kulturellen Gepäck der Reisenden begleitet – hier von der Musik, mit einer transzendendierenden Wirkung auf Raum und Zeit. In der Musik findet eine harmonische Transformation statt. Mit seiner eindrucksvollen Visualität zeigt der Film die Sehnsucht nach Freiheit und die Suche nach einem Ort, an dem Leben möglich ist. Die Flüchtigkeit der Begegnungen und Orte, das chimärenhafte Auftauchen und Verschwinden von Gebäuden, Personen und Grenzen erzählt eindringlich vom Exodus.

 

Dieser Film ist traurig, aber in keinem Moment hoffnungslos. Und er erzählt auch eine sehr europäische Geschichte: Der Exodus hat auch Europa geprägt und prägt Europa noch immer. Auf beiden Seiten der Medaille.

 

Luc Perez benutzt eine Erzählweise, die jenseits des Konkreten auf universale Erfahrungen verweist. Der Film erzählt vom Exodus, der unmenschlich ist und dessen Gründe in den meisten europäisch-zentrierten Erzählungen in den Hintergrund geraten. Unsere Aufmerksamkeit wird auf multiple Grenzen gelenkt, die zwar nicht auf dem europäischen Kontinent, aber durchaus europäisch sind – zwischen den künstlich gezeichneten Nationalstaaten in Afrika. In diesem Film haben die Menschen auf der Flucht eine Stimme und erinnern an die Würde des Menschen und die Kraft der Musik.

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